| Nominierungen Internet Type! - Interactive Audio Visual Typing Machine for Love Letters (Jaka Zeleznikar, Slovenien) http://kid.kibla.org/~jaka/um/type-3d/index.html Jaka Zeleznikar war bereits im letzten Jahr mit Bela 0.2 / White 0.2 nominiert und kehrt hier zur ihrer Lieblingsbeschäftigung zurück: der entgrenzten Textproduktion (Interaktivalija). Wieviel "Love" sich damit mitteilen läßt, konnten wir dem Prototyp bis Redaktionsschluß nicht entnehmen. Umso gespannter sind wir auf das Filmwinter-Release... GSM.ART (Igor Stromajer, Slovenien) http://kid.kibla.org/~intima/gsmart/ Stomajer wurde mit 0.html 1997 quasi über Nacht vom unbekannten zum bekannten Medienkünstler (auch SPIEGEL-Wettbewerbe haben ihr gutes...). Berüchtigt ist seine sorgfältige Programmierung: Stromajer-Seiten bestehen den Lets Putz-Test mit Glanz und Gloria. Und noch etwas macht ihn Stuttgart-tauglich: Stromajer hat das Handy zuende gedacht. GSM.ART stellt in diesem Zusammenhang basale Fragen wie: "how + where to vibrate a human being". Die Versuchsanordnungen erfordern allerdings gute Beziehungen zu einem Mobilfunk-Grossisten. short.art.service (SAS-Message) für "highest (+100%) beauty of art and science", Glück für Maschine und Mensch. Alle mit allen oder: die Intimität der Funkstrecke. |
[k]rash (Anne Niemetz, Karlsruhe) http://www.adime.de/crash Beginnend mit Kaufhausklängen wird einem das vertraute Bildschirmgefühl vorderrücks von der Netzhaut gezogen. Den Frames wird Fraktur geredet, es blinkert und fuchtelt. Licht aus und beamen möchte man, Hölle voraus - aber dann wieder diese himmlisch-süßen Blaustufen... Retreat (Katrin von Rettig, Schweden) http://home.swipnet.se/~w-57111/retreat/ ("Rollover", Prototyp) Sowas gibt es also auch: ein Internet-Projekt, das die Augen so sehr schont, dass man dieselben getrost schließen kann: Man versäumt nichts. Allerdings: ohne Soundkarte wärs fatal. Und das wirft ganz allgemein die Frage auf: gibts eigentlich Hörspiele im Netz? Katrin von Rettig schafft hier eine Landschaft aus Alltagsgeräuschen, die Mausbewegungen braucht, aber mit durchaus nicht immer vorhersehbarem Ergebnis. Auch hier sind wir auf das Filmwinter-Release gespannt. |
Conversations with Angels (meetfactory, Finnland) http://angels.kiasma.fng.fi Bereits seit Jahren auf dem Filmwinter stark beachtet haben sich Andy Best und Merja Puustinen zu international bekannten VRML-Spezialisten entwickelt. Die Conversations with Angels finden in einer 3D-Umgebung statt, die Kommunikation mit anderen Usern und vorprogrammierten Avataren ermöglicht: das Gegenüber repräsentiert also einen Mitmenschen - oder auch nicht: you never know! Dieses Projekt läuft mit der Client-Software für blaxxun Contact und damit nur auf dem PC. So kanns gehen. Und damit nicht genug: ein selbstentwickelter Avatar-Builder ermöglicht die Kreation des Scheusals, das man schon immer mal sein wollte. Art goes software goes art. Hier stimmts. Michael Brynntrup http://www.brynntrup.de Im allgemeinen nominiert der Filmwinter Mitmenschen, die sich via Homepage selbst zu Kunstwerken stilisieren, nicht für den Wettbewerb. Bei Michael Brynntrup macht der Filmwinter im allgemeinen eine Ausnahme. Dies geschieht, weil Michael Brynntrup bereits vor seiner Homepage ein Kunstwerk war und hier nur - das nennen wir Crossover - das Medium seiner Existenz anverwandelt hat. Die Seite ist bedenkenswert bedenklich, darüber hinaus handwerklich bemerkenswert gut gemacht. Dem Gott Chronos wird so manche Seite geopfert. Dazu haben wir allen Grund. |
Fabrikverkauf (Frieder Rusmann, Stuttgart) http://www.fabrik-ver-kauf.de/shirt Im allgemeinen nominiert der Filmwinter Projekte, die in einem unmittelbaren e-commerce-Zusammenhang stehen, nicht für den Wettbewerb. Frieder Rusmann ist die Ausnahme, denn er ist Künstler. Daher wird "im Real-Experiment die Frage geklärt, was e-commerce für die Kunst zu leisten vermag und was für Strukturen sich bilden." Nach der Bildungsstruktur nun also die Strukturbildung bei Rusmann. Da bilde sich wer kann! Und Lebensberatung gibts dazu. Da ist die Kunst also jetzt auch schon so weit! Nur der Link tut noch nicht. Auch da: Kunst auf der Höhe der Zeit. Der allerhochlöblichste Sprachwitz der Seite muß in der Tat hervorgehoben werden. Nach Mitte (Kathrin Röggla, Berlin/Wien) http://userpage.fu-berlin.de/~epos/soft/SoftMo99/roeggla/ Mitte ist da wo Berlin ist. Und Karstadt ist da, wo "junge Szenegestalten ... in ihrer eigenen Thermodynamik" dastehen und "jedenfalls ernst" sind. Genuin literarische Beobachtungen, im Internet in Form gebracht, verpfeilt, verquadrahtet, grafische Entsprechungen für das Wollknäuel in der Mitte der Welt. Auf dem Hyperlink wie auf einem Trip sein, das klappt in Kathrin Rögglas Nach Mitte, dieses beseelt besessene Umgarnen einer Mitte, die es nicht gibt. Was ist Zeit, wenn man dauernd was sieht? Hier also: ein richtig gutes Buch. |
I-Section (Friederike Paetzold, USA) http://www.turbulence.org/Works/i-section/index.html I-Section ist die Erforschung der emotionalen Resonanz auf die inneren Organe des Menschen, der Moeglichkeit einer aesthetischen Sezierung und dem, was uebrig bleibt, wenn der Koerper zerlegt wurde. Das Projekt wurde realisiert in Form einer interaktiven online Anatomie-Lehrstunde, mit Hilfe der Moeglichkeiten, die sich durch dynamisches HTML (DHTML) bieten. Das Ergebnis dieser Arbeit sind eher metaphorische Assoziationen, als wissenschaftliche Erlaeuterungen. I-Section besteht aus Bildern basierend auf historischen anatomischen Abbildungen, Anatomie-Modellbaukaesten fuer Kinder, Sex Toys, Schaufensterpuppen und meinen eigenen Handzeichnungen und Computergrafiken verbunden mit eigenen Texten. Ich habe mich bei I-Section fuer DHTML entschieden, weil ich die Moeglichkeiten dieser neuen Browser Technologie erforschen und unerwartete Dinge tun wollte. (authors comment) FuckU-FuckMe (Alexej Shulgin, Russland) http://www.fufme.com/ Remote Sex: Freud hätte es verdammt ähnlich gesehen. Leidgeprüft fragt Mann sich unwillkürlich, ob das genitalDrive model M auch abwärtskompatibel ist. Und wie die Genital Versatility Disk steht... Wann die Notebook-Version (mit Air Port Option) kommt und ob externe Laufwerke im ZKM künftig nur noch unterm Ladentisch gehen... Wenns ´n Hit wird, sag Bescheid! |
Break You! Vol.2 (Misao Sachi, Japan) http://home3.highway.ne.jp/misao/ Eine Formensprache, Teddy-Mutationen, Fabrikverkauf auf Japanisch? Stilstudien, ziemlich otaku-mäßig, für europäischen Augen so infantil anmutend - und dann wieder diese überraschenden Details, die Serie ausstaffierter Girls Japanese/American/French-Style, 3 Serien, aber das Japanisch-Amerikanisch-Französische endgültig als Stil verstanden, den die Puppen kommen in jeder Variante aus allen 6 Kontinenten. Nur einen deutschen Stil gibt es nicht - dafür den deutschen Michel (unter "Movies"), der die Suppe runterschmeißt. Und dann diese Schminkübung... Milchtüten und Hunde gibts übrigens auch. Vorsicht bissiger Hund! (Sixth Kolonne Foundation, Niederlande) http://www.dse.nl/2B/hund/sara Also erst mal: der Hund ist ein Mensch. Und dessen ZahnFlash ist das Menü. So kukident kann Benutzerführung sein! Eine feine Aktivisten-Homepage, mit Infos zu Aktionen für die Lieben im Cyberspace: Immer auf den Laufenden, wo der Bus gerade aktiv ist zwischen Germany und Palermo. Eine Seite auch mit Tagebuchfunktion, feine Sache das. Irgendwie sowas wie die Verschmelzung des On-the-Road-Gefühls der 70er mit dem Netz-Gefühl der 90er. Da wünscht man, dass der Bus noch ´ne Weile fährt und immer genügend Akkus zur Hand sind... |
Freud-Lissitzky Navigator (Lev Manovich, Norman Klein, USA) http://visarts.ucsd.edu/~manovich/FLN/ Freud-Lissitzky Navigator is a computer game prototype; a software narrative; a virtual exhibition; an imagionary software; a tool to navigate through 20th century cultural history; an experiment in developing analysis of new media which uses the very forms of new media (in this case, computer games and software interfaces). (authors comment) Eine Software-Erzählung. Auch eine Interface-Erzählung. Eine Erzählung als Antwort auf die Frage, auf welche Weise sich die Vorstellung von der "Navigation der Welt" historisch entwickelt hat. Vertikal (Freud) und horizontal (Lissitzky) gegliederter Raum, Wiener Psychoanalyse und russische Avantgarde als Referenzpunkte medialer Weltaneignungsstrategien: Traumland und Zukunftsland als Vorboten eines 3D-Browsers, der jenseits der Gravitation jede Differenz von Psyche get.real (Tiia Johannson, Estland) http://www.artun.ee/homepages/xtiiax/mikki/index.htm unlimited communication / in a yet unknown / conglomerate made of / machines, cables and / people / ... the birth of a new world ... / if you feel these digits / and network and how the / signal comes and how your / connection works / reallife in the net before born / to real life yet ???? (authors comment) und Welt vernichtet. Wo also ist die Software, die das erzählt? |
Lascaux2 (Jens Gebhard, Paris/Stuttgart/New York) http://www.lascaux2.org/ Jens Gebhard hat im Sommer 1999 eine Ausstellung in der Villa Arson in Nizza geöffnet, indem er sie geschlossen hat. Das fußläufige Publikum mußte draußen bleiben, die Internet-Gemeinde hatte freien Zutritt, via Web-Cam und rund um die Uhr. Gebhard verwendet diese Aktion als Kontext für Fragen nach der öffentlichen Produktion und Wahrnehmung von Kunst. Ganz nebenbei stellt sich auch die Frage nach der Art der Präsenz realer Orte im Bewußsein. Plato und Schopenhauer winken, doch was Objekt war, winkt jetzt zurück: anstelle einer Plastik posierte der Bildhauer als Modell live. Das ist dann wie wenn die Strichzeichnungen in den Höhlen von Lascaux auch noch laufen lernen. Vielleicht liegt es ja daran, dass ein Sturm im Oktober den Server lahmlegte. The Book after the Book (Giselle Beiguelman, Sao Paulo, Brasil) http://www.desvirtual.com/giselle The Book after the Book concerns to hybrid culture, mix of digital and printed substrata. The subject here is not the no-book, but the book after the book, the computer not as a new art support, but as a new reading and writing machine: an interface. A gesture repertoire, a tactile game between hand and paper (or mouse), a constellation of objects and vision instruments defines the position of reading in this world. Unstable positions, no doubt. Here is Jorge Luis Borges enigmatic Book of Sand . A book in which it is impossible to return to the page which has been read. The Book of Books. The book of reading. (authors comment) |
Brandon (Shu Lea Cheang, Amsterdam/Tokyo/New York) http://brandon.guggenheim.org/ Das Großprojekt Brandon, von Shu Lea Cheang mit erstaunlicher Energie weiterentwickelt, wird bereits zum zweiten Mal auf dem Filmwinter nominiert. Dazu gibt es allen Grund. Das Projekt thematisiert Fälle sexueller Abweichung und Konversion, die von Einzelnen oder der Gesellschaft stigmatisiert und mit Gewalt eliminiert wurden. Cheang interessiert sich für die öffentliche Meinung, den common sense, der diese Gewalt stützt. Das Internet wird im Projekt zur Bühne für einen öffentlich durchgeführten Lackmustest. Fälle der jüngeren Geschichte (Tina Brandon, aber auch der bekannte Fall im Lambda MOO) werden im Netz öffentlich neu verhandelt. Cheang deckt in diesen Verhandlungen, die sie selbst moderiert, Widersprüche auf und fordert die Juroren auf, den Konsens aktiv zu suchen. Diese Situation wird auf einer anderen Ebene zugleich verwendet, um einen Voyeurismus des öffentlichen Urteilens zu thematisieren, der historisch in der Tradition des Theatrum Anatomicum steht, eines ebenfalls auf konsensuale Erkenntnis zielenden inzenierten Voyeurismus im Dienste der frühneuzeitlichen Medizin. Das Projekt untersucht damit in einer komplexen Anordnung Struktur und Potential des Internet im Hinblick auf verteilte, öffentliche Meinungsbildung und Entscheidungsfindung. |
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