INTERNATIONALER WETTBEWERB FILM/VIDEO

„YOUR NEW WORLD WILL BEGIN LIKE OURS AS PICTURES...“(Mike Hoolboom)

 

Der Kurzfilmwettbewerb ist der Kern des Festivals und bietet eine Plattform für neue mutige und experimentierfreudige Produktionen.1300 Einreichungen aus über 50 Länder erreichten den Stuttgarter Filmwinter zur Vorauswahl. Dieser Zahlenrekord bestätigt das Festival als internationale Plattform für innovative und unabhängige Medienkultur. Knapp 60 Beiträge wurden für das sechsteilige Programm des internationalen Kurzfilmwettbewerbs ausgewählt.

 

Bedeutende Filmemacher wie der britische Videokünstler und Filmemacher Matt Hulse („Plot“) und der österreichische Experimentalfilmemacher Dietmar Brehm („Verdrehte Augen, 2. Version“) sind ebenso vertreten wie die deutsche Experimentalfilmemacherin Eva Könnenmann mit „Happy Problem“ (Informationen aus gesondertem Blatt), einer perfekt rhythmisierten Dokumentation zwischen Fiktion und Wahrheit über die Künstlergruppe Happy Problem. Stephan Möckel, legendärer Super 8-Filmemacher, bietet uns seine Sichtweise zum 11. September.

 

„Our pictures are like zoos. We have diveded them into genres, species of pictures. There is one species of picture we have reserved to show us the future. We call it science fiction whenever we imagine the world after this one it appears as catastrophe, haunted by science, obsessed with death: in other words it looks just like today. (...) your new world will begin like ours as pictures we long to see cherish and finally become.“ (Mike Hoolboom aus „Imitation of Life“). Der kanadische Found Footage-Spezialist Mike Hoolboom bietet uns mit dem epischen Meta-Science Fiction-Film „Imitation of Life“, eine Parade von Bildern, die in der Zukunft und Gegenwart konvergieren. Science Fiction als Ort, um sich eine Zukunft vorzustellen, die wir bereits erleben.

 

Science Fiction wird auch in zwei anderen Arbeiten als Stilmittel angewendet: In „Poloiset ja paranormalii“ („The Poor Ones and the Paranormal“) schildert uns der Finne Sami Hantula – eine der spannenden Entdeckungen dieses Jahres – in einer mondartigen Landschaft eine ganz eigene Welt – bestehend aus einem Orgelspieler, einer sich stetig wiederholenden eintönigen Melodie und einem unförmigen Menschenwesen. Bis plötzlich ein Ufo auftaucht ...

 

In „Kalkheim“ von Tobias Kipp wird die Absurdität des Alltags in einer durchschnittlichen irdisch-außerirdischen Reihenhaussiedlung, irgendwo, möglicherweise auf diesem Planeten, dargestellt.

 

Das Haus als Ort der künstlerischen Tätigkeit, wo Leben und Kunst miteinander kollidieren, bleibt nach wie vor ein Experimentierfeld für einige Künstler. Pedro, Perfomancekünstler aus Frankreich, erzählt mit seinen kurzen prägnanten Videoarbeiten „lediglich eine Geschichte eines Stars allein zu Hause“ (Pedro). Marion Pfaus zeigt uns mit ihrem Homevideo „Drei Stücke zum Meisterwerk“ die digitalen Schnittprogramme für Videobearbeitung, mit denen „man sich Hollywood einfach nach Hause holt“.

 

Eine Vielzahl weiterer Filme könnte hier aufgezählt werden. Eine Vielzahl weiterer Filme hätte auf dem Festival gezeigt werden können. Der Kurzfilmwettbewerb zeigt dieses Jahr eine Auswahl von Filmen, die mit dem Medium Film und Video in verschiedenen Hinsichten konsequent experimentieren. Der Experimentalfilm – im weitesten Sinn des Wortes – befreit unseren Kopf von der Implementierung der Bilder der Massenmedien und unserer Alltäglichkeit. Wir präsentieren Filme, die mutig und innovativ mit dem Medium umgehen, und dem Zuschauer die Freiheit lassen, selber Assoziationen zu ergründen, Bogen zu spannen und Parallelen zu finden. Es sind Filme, die die Fähigkeit des Zuschauers zu erstaunen in Anspruch nehmen. Mit dem Kurzfilmwettbewerbprogramm zeigt Wand 5, dass der Kurzfilm nach wie vor ein Territorium dafür ist.