INTERNATIONALER WETTBEWERB NEUE MEDIEN

Im Wettbewerb Neue Medien werden Preise für die beste Netzarbeit (Internetprojekte), die beste Offline-Arbeit (CD-ROM, DVD-ROM...) sowie für die beste Medieninstallation vergeben. Eine hochkarätige Jury ist u. a. besetzt mit Ulrike Gabriel (Berlin) und Olia Liliana (Stuttgart), Professorin für Netzkunst an der Merzakademie. Aber auch das Publikum hat die Möglichkeit, die spannendsten Internetprojekte mit dem DASDING-Publikumspreis zu küren. Ab dem 9. Januar stehen die Internetprojekte zur Abstimmung online auf den Websites www.filmwinter.de und www.dasding.de zu Verfügung.


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Sehr viele der eingereichten Arbeiten im Bereich der Neuen Medien setzen sich mit Natur, Landschaft und Identität auseinander. Auch stellen KünstlerInnen die Frage, wie Gefundenes, Inszenierung und Erinnerung in einer Geschichte in Beziehung gesetzt werden können, die dem Betrachter eigene Zugangsmöglichkeiten eröffnen. Einige Beispiele:

Die in Kanada lebende japanische Künstlerin Shinobu Akimoto arbeitet in ihrer Videoinstallation „Backyard“ mit der Physiognomie von Tieren im domestizierten Kontext. Dabei greift sie auf das persönliche Umfeld zurück, indem sie die Tiere ihrer Eltern und deren Lebensbedingungen in einem kleinen Garten auf fast groteske Weise dokumentiert. Die unprätentiösen, homevideoartigen Bänder stehen im Kontrast zur großformatigen, caveartigen Installation.

 

„Typoscape“ von Rolf Eusterschulte aus Kassel ist eine interaktive, audiovisuelle Rauminstallation, die durch Bewegungen der Rezipienten Bildwelten von Informationslandschaften in Echtzeit erzeugt. Grundlage der Arbeit sind Landschaftsfotos, die zusammen mit einem Text, der auf die jeweiligen Fotos eingeht, von Freunden des Künstlers eingesandt wurden. Die Fotos sind in fünf sog. Audiobildhalter montiert. Sobald sich der Betrachter den Audiobildhaltern nähert, verändert sich die Projektion. Der Betrachter erzeugt durch seine Position im Raum sich stetig ändernde Texttransformationen. Die Schrift ist dabei nicht ein statischer Informationsträger, sondern ein dynamisches, organisches Gebilde. Das ursprüngliche Bild der Landschaft steht in ungewöhnlicher Beziehung zu den Gedanken der Fotografen zum Bezeichneten bzw. Ursprungsbild.

 

Schon bei den letzten Filmwinter-Festivals ist der Berliner Florian Thalhofer mit seinen herausragenden CD-ROMs aufgefallen. Mit „Korsakow Syndrom“ hat er ein weiteres Kleinod dieses scheinbar aussterbenden Mediums eingereicht. Das „Korsakow Syndrom“ ist ein nonlinearer, interaktiver Dokumentarfilm zum Thema Alkohol. Das „Korsakow Syndrom“ besteht aus ca. 150 kurzen Einzelfilmen – gesuchte und gefundene Geschichten, Interviews und Found Footage –, die über eine Datenbank sinnvoll verknüpft und immer wieder in neue Beziehungen gesetzt werden. Während ein Clip läuft, werden aus der Datenbank Links zu thematisch passenden Clips generiert, der Betrachter kann sich einen Link aussuchen und navigiert so durch den Pool an Filmen. „Korsakow Syndrom“ ist eine Art von Themen-Zapping, so als ob sich sämtliche Fernsehkanäle nur noch diesem „Kardinalthema der Menschheitswerdung“ widmen würden. In einem Kanal ein Live Konzert: Jim Avignon trinkt nach jedem Stück einen Wodka und wird zusehends betrunkener. In einem anderen Kanal: Anti-Drogen-Spots aus den USA. Es gibt einen Geschichtenerzähler, der über das Trinken sinnt, und Aufnahmen des betrunkenen Boris Jelzin. Gleichzeitig handelt es sich beim „Korsakow Syndrom“ um ein von Thalhofer an der UdK Berlin entwickeltes System, mit dem es Autoren auch ohne Programmierkenntnisse möglich ist, interaktive Filme zu erstellen.