ERDUNG - NEUE HEIMATGEFÜHLE IN DER MEDIENKUNST

Auch dieses Jahr spürt das Thema Erdung Tendenzen in der Medienkunst sowie in technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nach. Welche Rolle spielen in der heutigen Mediengesellschaft geographische und emotionale Orte? Wie verändern digitale Techniken an reale Räume gekoppelte Identitätsmodelle. Gibt es ein Korrektiv auf die Tendenzen der Mobilisierung und Globalisierung? Und bedeutet dies die Rückkehr zu traditionellen Wertesystemen, die mit Begriffen wie „Heimat“ oder „Wurzel“ verbunden sind? „Das digital aufgezeichnete Bild ist unendlich vervielfältigbar und unendlich manipulierbar. Im digitalen Video gibt es kein Original mehr. Es gibt aber auch kein Negativ mehr, auf Grund dessen man sagen kann: Aber hier, anfangs, war das doch so, und jetzt hast du das und da gemacht. Das digitale Bild ist kein Wahrheitsträger mehr (...) Wer will sich also darüber verwundern, daß der Begriff von Identität so auf den Hund gekommen ist!“. (Wim Wenders in „Act of Seeing“.). Das Zitat von Wenders stammt aus dem Jahre 1992. Er war einer der ersten deutschen Filmemacher, der seine Filme mit digitaler Bildbearbeitung produzierte. Zehn Jahre später fragen wir uns nach dem Korrektiv zu diesem Aspekt. Wie baut man Identität anhand der digitalen Techniken? Wenn es kein Original mehr gibt, gibt es keine Heimat mehr?

 

Das Programm besteht aus einer Film- und Videoreihe sowie diversen Vorträgen. Die Filmemacher Corinna Schnitt und Michael Brynntrup haben Programme zusammengestellt, die von zwischenmenschlichen Alltäglichkeiten, Nachbarschaft und Heimarbeit handeln. Die beiden Themenprogramme „Aussen Räume“ und „Mikrokosmos“ beschäftigen sich im weitesten Sinne mit Räumen als Modell der Identitätsstiftung und weniger mit Orten des Übergangs und des Reisens. Die Hamburger Gruppe Reproducts stellt ihre Form der Medienarchäologie vor, indem sie kontinuierlich Fernsehbilder sammeln, archivieren und neu kontextualisieren. Im Rahmen seines Vortrags „Tatort Kunst – Die Repräsentation von Künstlern im Fernsehen am Beispiel von Serien“ spürt Kurator und Musiker (FSK) Justin Hoffmann der Frage nach, wie Künstler das von Fernsehserien vorgegebene Rollenmodell des Künstlerdaseins bewußt oder unbewußt adaptieren. Für weitere Vorträge zum Thema Erdung sind der Filmemacher Wim Wenders sowie die italienische Videokunstkuratorin Valentina Valentini angefragt.