wand 5, gutenbergstrasse 94, 70179 stuttgart, +49 711 6159662 Filmwinter '96: Ausstellungen



Ausstellung Jürgen Baldiga, 4. Januar - 15. Januar 1996, 
Kleine Schalterhalle im Stuttgarter Hauptbahnhof
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Strom, Videoinstallation von Silvia Kirchhof & Andreas Tröger Musik: Helmut Binzer English Version
Transformations-Aktion Herzsofort.Setzung - eine Autogen-Manipulation von Michael Brynntrup im Künstlerhaus Stuttgart, 3. Stock, Samstag, 6. Januar, 18.00 Uhr English Version
Ausstellung Michael Brynntrup Künstlerhaus Stuttgart, 4. Stock vom 5. Januar bis 10. Januar Ausstellungseröffnung: Freitag, 5. Januar 19.00 Uhr English Version

Strom als Auslöser von Aktion und Reaktion in a-humanitären Breichen. Der Betrachter ist in dieser Installation einem dunklen Raum ausgesetzt, in dem nichts als die Röntgenbildbetrachter mit ihren Großbilddias und ein ständig ablaufendes Video den Blick erhellt. In ihrer Arbeit versuchen die Künstler der elektrischen Energie, dem Strom, die unterschiedlichsten Aspekte abzugewinnen. Früher war ein Strom ein großer Fluß, heute fließt im Strom elektrische Energie, die unsichtbar ist. Wichtig dabei ist seine Funktion, der Zweck zu dem wir ihn anwenden. Wir denken zuerst an warmes Wasser, Licht, Fernsehen, all die Errungenschaften unserer Zivilisation, aber auch an dessen gefährliche Eigenschaften. Eng damit verbunden ist sein Mißbrauch in der Folter und auf dem elektrischen Stuhl. Eher zwiespältig wird sein Einsatz zu therapeutischen Zwecken gesehen. Die Kunst Kirchhofs und Trögers gäbe es nicht ohne Strom, die Dias müssen leuchten, das Video und die Musik abgespielt werden, somit thematisiert sich Strom auch über die Form der Arbeit selbst.
  
  Curriculum Vitae
  
  1957        geboren am 21.12. in Bonn
  1958-65   Aufenthalt in Izmir, Türkei
  1979-81   Studium der Kunstgeschichte an der 
  Ludwig-Maximilians-Universität München
  1981-86   Studium der visuellen Kommunikation an der 
  Gesamthochschule Kassel
  1988-94   Kunstprojekt BILDZONE und BILDZONE WERKSTATT 
  (Konzept und Durchführung von 24 Stunden Ausstellungen)
  1991         erste Videoinstallationen
  1993-95    Ausstellungen und Festivals
  
  Einzelausstellungen
  
  1985  CHEMIGRAMME und TANZPERFORMANCE
            Künstlerwerkstatt Lothringerstr. 13, München
  1986  CHEMIGRAMME und FOTOARBEITEN 1981-86
            Buntstiftfabrik, Kassel
  1986  CHEMIGRAMME 1981-86
            Fotoforum Bremen
  1988  CHEMIGRAMME und FOTOARBEITEN 1988
            Galerie Maeder, München
  1991  DIE FLIEGE-KLATSCHE, Videoinstallation
            Internationale Fotoszene, Köln, Galerie Eye 
  genart
  1992  HAVING FUN WITH A GUN, 12 Lichtkästen
            Forum junge Kunst, München
  1992  STROM, Videoinstallation
            Kunstforum der Städtischen Galerie im 
  Lenbachhaus, München
  1994  STROM, Videoinstallation
            L.O.K Gallery, New York
  1994  VIDEO und FOTOARBEITEN 1988-94
            Kunstförderverein Treptow e.V., Berlin 

 


Ausstellung Michael Brynntrup

Was passiert, wenn die bewegten Bilder und die multimedialen Ereignisse an ihren Ausgangspunkt zurückfinden und ihren Reproduktionscharakter sichtbar machen? Michael Brynntrups Serie von 56 Mediengenerationen stellt keine Rückkehr zu nostalgisch-idealisierten Naturzuständen oder eine Einkehr in transzendente Innerlichkeit dar. Vom Spiel mit der Eigendynamik innerhalb der ästhetischen Möglichkeiten reproduzierbarer Medien ausgehend, forscht Brynntrup "nach einer den Medien immanenten Spiritualität" (MB). Es ist allerdings weniger die Emanation technologischer Medien, was Präzision und Kalkulierbarkeit anbelangt, sondern vielmehr deren Zufallspotential und Chaoscharakter, die sich in der Bilderreihe mit Brynntrups Person verknüpfen. So stellt Brynntrup auf zunächst naiv wirkende Art und Weise die Frage nach der Autorenschaft innerhalb reproduzierbarer und digitaler Techniken und scheint inmitten des medialen Overflow "that strange old thing called Aura" zu beschwören. Ignorieren Brynntrups Werke Walter Benjamins gemeinhin bekannte Prophezeiung einer vom "Geschmack des Auratischen" freien Kunst? Die Angelegenheit erscheint äußerst komplex und äußerst "ästhetisch" zugleich: Zum einen stimulieren Brynntrups großformatige Privatansichten Rezeptionsmodi öffentlicher Kunst - vergleichbar der Betrachtung von "mural art" und Wandmalerei -, zum anderen ist die Affinität zur ornamentalen Reihung und fraktalen Sturkutren unübersehbar: ein dekoratives Privatvergnügen? Bei der Herzsofort.Setzung handelt es sich keineswegs um stupides Durchexerzieren diverser Medien. Dafür tritt das experimentelle und analytische Moment zu deutlich hervor. Trotz unterschiedlicher Medien wie Super 8, CD-Rom, VHS-Video, Farbkopie oder Computerprint, die teilweise auf absurde Weise zur Präsentation gelangen, verbinden die einzelnen Bild-Generationen die Freude an der Unsicherheit des Prozesses und die generelle Fragestellung, was verbleibt vom transformierten Menschen nach dem Bad in den Medien? Ausstellungseröffnung: Freitag, 5. Januar 19.00 Uhr


Transformations-Aktion

Künstlerhaus Stuttgart, 3. Stock, Samstag, 6. Januar, 18.00 Uhr Via ISDN-Leitung wird Michael Brynntrups Video "Herzsofort.Setzung" vom Filmhaus Stuttgart zum Künstlerhaus Stuttgart digital übertragen und über Videogroßprojektion präsentiert. Die bewegten Bilder können vor Ort vom Zuschauer manipuliert werden, wodurch das Video seinen hermetischen Charakter verliert. Der Zuschauer hat die Möglichkeit über einen Farbdrucker eine individuelle Momentaufnahme des Videos als Ausstellungsposter-Unikat mit nach Hause zu nehmen. Dieser Test demonstriert zugleich die Möglichkeit einer Internet-unabhängigen Bildübertragung und gibt einen Blick in die Zukunft der Präsentation von digitalisierten Filmen. Michael Brynntrup steht während der Aktion zum Gespräch zur Verfügung.

Einführungsrede & Vortragsperformance zum gegebenen Anlaß: Harald Braun.

Die Aktion findet mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Telekom statt.


Jürgen Baldiga - Fotos

"Unkraut verwelkt nicht, es verblüht nur...." (Jürgen Baldiga)

Wer ist Jürgen Baldiga?

Michael Brynntrup, der einen Video über ihn drehte, beschreibt ihn folgendermaßen: "1959 als strammer Achtpfünder das Licht der Welt erblickt. Sohn eines Bergmanns. Seit 1979 in Berlin. Broterwerb als Koch/Barkeeper/Geliebter/Gelegenheitsarbeiter. Seit 1980 die ersten Gehversuche in Richtung der schönen Künste: Lyrik/Musik/Film/Performance. 1984 lustvoller Erwerb der Immunschwäche Aids. Seit 1985 Autodidakt in der Kunst der Fotografie und ab 1989 vollends Im Bilde."

Er war in der schwulen Szene eine durchaus umstrittene Persönlichkeit. Die einen meinten, er sei zu selbstherrlich fast schon narzißtisch, die anderen etikettierten ihnen als chic und inszeniert. Schubladen gibt es genug, auch für Künstler und vielleicht gerade für Künstler wie Jürgen Baldiga, in deren Arbeit die eigene Existenz unaufdringlich allgegenwärtig ist. Im Falle Baldigas hieß dies, mit Aids leben, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen und sich so zu arrangieren, um weiterhin Spaß und Lust am Leben zu haben. Jürgen Baldiga hatte beides. Spaß am Leben und Lust an der Fotografie:

Seine Modelle waren Alte, Tunten, Transvestiten, Aids-Kranke und er selbst - dargestellt weitab von den gängigen Schönheitsmodellen unserer Gesellschaft. Baldiga versuchte nicht zu formen und zu verändern, bis am Ende ein Ideal vor der Kamera stand. Er läßt Kontraste verschwimmen, alles ist möglich, es gibt keine Grenzen und es gibt nichts, was es nicht geben darf. Er zeigt die Menschen mit all ihren Eigenschaften, Facetten, Gemütszuständen, Abnormitäten und Absurditäten. Gerade das ist das Spannende an dieser Art von Bildersprache. Die Faszination liegt nicht im drapiert "Schönen", sondern im Natürlichen und Ungeschminkten. Baldigas Fotos sind Abbildungen ohne Verwischungen. Er sah die Welt unverblendet durch das Objektiv, so wie sie ist. Mit all ihren Widersprüchen und Mängeln. Und doch sind Baldigas Schwarz-Weiß-Fotografien im klassischen Sinne schön. Ästhetisch und mit durchdachtem Blick bildete er seine Modelle auf den Fotos ab. Der Blick Baldigas ist aber keinesfalls voyeuristisch, sondern eher liebevoll und achtend. Die Ebene zwischen Fotograf und Modell scheint horizontal zu sein, das Kameraobjektiv liegt nicht als distanzierendes Moment zwischen den beiden Agierenden, sondern das Auge eines guten Freundes gibt das Gesehene liebevoll wieder. Er fotografierte das, was ist, wie es ist und nicht, wie es sein könnte. Das macht die "Wahrheit" und dadurch die "Schönheit" der Fotos aus.

Baldiga - ein Fotograf der anderen Art? Napoleon Seyfarth gibt darauf folgende Antwort: "Die meisten Menschen glauben, man fotografiere mit dem Fotoapparat. Professionelle Vertreter dieser Kunst fotografieren mit dem Auge. Jürgen Baldiga dagegen fotografierte mit der Seele."

Jürgen Baldiga starb im Dezember 1993 an den Folgen von Aids. Zitat: "Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen..."


"Ill weeds grow apace, but they fade..." (Jürgen Baldiga)

Who is Jürgen Baldiga?

As Michael Brynntrup (who did a videoportrait on him) describes: "Born pretty healthy in 1959 with an life-weight of 8 pounds. Son of a coalminer. Since 1979 in Berlin. Daily expense coverage as cook / bartender / lover / occasional works. Since 1980 first steps in the wide field of nice and fine arts: Poems / music / film / performance. Joyful infection with aids in 1984. Since 1985 autodidact in the art of photography an 1985 - finally - in focus.

Disputed in the gay limelight, some thought of him as being too narcistic as others named him too chic and consciously overacting. There are labels enough to characterize these arty types and also - or: especially for an artist like Jürgen Baldiga, who work out to show their very own livelihood in an unobtrusive and omnipresent manner. In Baldiga`s case his effort was to handle aids, confront death and arrange still to have fun & joy (& lust). And he worked out, enjoying live and practizing photography by heart: Objecting old people, pimps, transvestites, aids infected persons and himself, he was searching for a non-conventional beautiness. Avoiding manipulation or creating, he continued until he finally got the ideal picture. Contrast may shiver, just everthing is allowed and narrow minds have to back off. He shows the human being with all its capabilities, in its frame of mind and with all aspects, even beyond the normal, even if it is getting absurd. And that`s, why this piece of work is so tense. No hard trying in the search of the so called beauty, Michael Baldigas pictures look for the unmasked and precise. He focused on a world as it is, with all its faults and imperfections. But anyway: His black and white photos are beautiful in a classical manner. The way he looked at his models was straight asthetic and clearminded: Never peeping, but always respectful and with care. The state between him and the person he photographs seems to be one and instead of distance you can find the intimacy of friends. By photographing things as they are - and not as they are supposed (or act) to be, he gets what is called to be thruth and beautiness.

Baldiga - A photographer of another kind? As Napoleon Seyfarth answers: "Mostly people think that you need a camera to photograph. The professional Artists take pictures by heart. Jürgen Baldiga shot with his soul."

Jürgen Baldiga died of aids in December 1993.


What happens, when the moving pictures and the multimedia events return to their starting point and the charcteristics of reproduction became apparent? Michael Brynntrup's series of 56 media generations is no return to nostalgic idealized natural state or a search for transcendental inwardness. By playing with monumentum within the aesthetic possiblitites, Brynntrup researchs into a spiritualism inherent in the media. It's however less the emanation of technological media when regarding calculability an precision, but more the potential of coincedence and the chaotic character that connect themselves in the series of pictures with Brynntrup as a person. In a manner seeming to be naive, Brynntrup alsks the question on the authorship within reproducible and digital technolgies. Amon the medial overflow he seems to conjure up "that strange old thing called aura". Do Brynntrup's works ignore Walter Benjamin' wellknown prophecy of an art free of the "taste of aura"? The matter seems to be extremely complex and "aesthetic" at the same time: on the one hand, Brynntrup's large-size inspection of privacy stimulates perception in regard to public art - comparable with the contemplation of mural art - on the other, the affinity to the ornament and fractal structures is obvious: a decorative private peasure? "Herzsofort. Setzung" is under no cirumstances a mindless rehearsal of various mediaforms. In spite of different forms like Super 8, CD-Rom, VHS-Video, colour copy or computer print, that are presented sometimes in an absurd manner, the single generation of the pictures are linked by the pleasure lying in the uncertainty of the proces, also in the formulation of the question, what remains from the transformed man after his bath in the media? Opening: Friday, January 5, 7 p.m.


Transaction & transformation

Via ISDN-line Michael Brynntrup's video "Herzsofort.Setzung" will be transmitted from the Filmhaus Stuttgart to the Künstlerhaus Stuttgart digitally and presented by videoprojection. The moving pictures can be manipulated by the audience on the spot: the video loses its hermetic charakter. The spectator has the possibility to copy a single frame of the video by way of a colour printer and take it home. This test wants to demonstrate the potentiality of transmission of pictures without the internet. It throws a glance at the presentation of digitlized films in the future.

Introduction & lecture performance by Harald Braun.

This transaction takes place with kind support of the Deutsche Telekom AG.


Strom (current)

Video installation by Silvia Kirchhof & Andreas Tröger Music by Helmut Binzer

Current as a trigger of action and reaction in non-humanitarian fields. The viewer is exposed to a dark room, in which nothing but a x-ray plate projector with its large slides and a permanently shown video illuminate the look. The artists try to find different aspects of electric energy, the current. In the past current was a big river, today electric energy flows through the invisible current. Important is its function, the purpose we use it for. First we think of hot water, light, TV and other achievements of our civilization, but we also think of its dangerous characteristics. Closely associated is its abuse in torture and the electric chair. The art of Kirchhof and Träger wouldn`t exist without current. The slides have to shine, the video and the music have to be played. Consequently current becomes also a theme by itself through the form of the work.

  Curriculum  Vitae
  
  1957        born December 21 in Bonn
  1958-65   residence in Izmir, Turkey
  1979-81   studies in history of art at the 
  Ludwig-Maximilians-University in Munich
  1981-86   studies in visual communications at the 
  Gesamthochschule Kassel
  1988-94   art project BILDZONE and BILDZONE WERKSTATT 
  (concept and implemetation of 24 hour exhibitions)
  1991         first video installation
  1993-95    exhibitions and festivals
  
 

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