FILMWINTER '96: Lupe 1: Rebecca HornDem Film wurde ja oft, bedingt durch seine Kommerzialisierung, sein Kunstcharakter abgesprochen. Darum erscheint es umso wichtiger, daß auch bildende Künstler dem Medium seinen Stellenwert einräumen. Rebecca Horn zieht daraus wohl die Konsequenz, ihre Kurzfilme sehr selten zu zeigen und ihnen damit die Aura des geheimnisvollen und kostbaren zu erhalten, die das Einzelstück im Gegensatz zum ewig reproduzierbaren Film umgibt. Wir hoffen aber trotzdem gerade die Kurzfilme im nächsten Jahr zeigen zu können und beginnen dieser Reihe mit Langfilmen.
Buster's Bedroom 1990, 104 Minuten, 35 mm, Farbe, Ton Regie und Drehbuch: Rebecca Horn Kamera: Sven Nykvist Darsteller: Geraldine Chaplin, Valentina Cortese, Taylor Mead, Amanda Ooms, Ari Snyder, Donald Sutherland, David Warrilow, Martin Wuttke Hommage an Buster Keaton. Die Filmstudentin Micha gerät auf der Suche nach Spuren von Buster Keaton in das Nirwana-Haus, ein etwas surreales Sanatorium, in dem auch Keaton in den 30er Jahren gewohnt haben soll. Im Institut, dessen Bewohner in komplizierten Beziehungen zueinander stehen, begegnen ihr eine alternde Filmdiva, eine Ex-Schwimmerin im Rollstuhl und ein falscher Doktor, der im übrigen Schlangenfetischist ist, sie aber dann doch rettet. Mit Taylor Mead als Gärtner, der ständig versucht eine Leiche im Garten zu vergraben. La Ferdinanda: Sonate für eine Medici-Villa 1981, 85 Minuten, 35mm, Farbe, Ton In Koproduktion mit dem WDR, Köln Buch und Regie: Rebecca Horn Kamera: Jiri Kadanka Darsteller: Valentina Cortese, Javier Escriba, Gisela Hahn, Hans Peter Hallwachs, Michael Maisky Eine Opernsängerin und ihre Freunde verbringen wie jedes Jahr die Sommermonate in der Villa Ferdinanda. Dieses Jahr wird aber während ihres Aufenthaltes die Villa von einer Hochzeitsgesellschaft angemietet. In raschen Schnittfolgen zwischen der Hochzeitstafel, den Gästen der Operndiva und den Dorfbewohnern in der Küche verdeutlicht sich eine soziale Geographie, die durch das Essen hervortritt. Untermalt von jeweils anderer Musik offenbart jede Gruppe eine sozio-kulturelle Position bei Tisch. Füller: Zitat oder Bildunterschrift "Als wanderndes Fenster mit Blick auf die Welt der Körper stellt der Film der Künstlerin ein weiteres Instrument zur Wahrnehmung und Abtasten von Raum zur Verfügung. Insofern ist die Kameralinse für sie eine echte Verlängerung ihrer Körpermaschinen. Wie der menschliche Körper ist auch der Film ein Wahrnehmungsorgan. (Er) besitzt phänomenologische Kräfte, indem die Welt an der Nahtstelle von Auge und Kameralinse empfunden wird." Giuliano Bruno