kopfwand FILMWINTER '96: Lupe 1: Rebecca Horn


Bildende Künstler die Filme machen? Das kennen wir eigentlich schon von Salvador Dali oder Fernand Leger und ist heute eigentlich schon normal. Rebecca Horn gehört aber zu den Künstlerinnen, die schon sehr früh mit Film experimentierten und bei denen es nicht nur bei der Koketterie blieb. Seit den 70er Jahren drehte sie zahlreiche Kurzfilme, die hauptsächlich ihre Performances dokumentierten. ("Kopf-Extensionen" 1973, "Kakadu" 1973, "Berlin-Übungen in neun Stücken" 1974-75, darunter: "Mit beiden Händen gleichzeitig die Wände berühren", "Blinzeln", "Die untreuen Beine festhalten", "Räume berühren sich in den Spiegeln") Es waren Performances ohne Zuschauer, die sie ganz allein z.B. in ihrer Wohnung aufführte. Nur die Kamera war als Betrachter zulässig. Die einzige Möglichkeit es einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen bestand in der Dokumentation auf Film.
Ihr Interesse am Medium ging weiter, so daß sie drei abendfüllende Spielfilme schuf, in denen dann quasi gattungsübergreifend ihre Skulpturen oder Maschinen mitwirkten. So z.B. der vollmechanisierte Rollstuhl in "Buster's Bedroom", der Geraldine Chaplin mit seinem beweglichen Arm mit Whiskey abfüllt, damit diese ihr Immobilitätstraining durchhalten kann.

Dem Film wurde ja oft, bedingt durch seine Kommerzialisierung, sein Kunstcharakter abgesprochen. Darum erscheint es umso wichtiger, daß auch bildende Künstler dem Medium seinen Stellenwert einräumen. Rebecca Horn zieht daraus wohl die Konsequenz, ihre Kurzfilme sehr selten zu zeigen und ihnen damit die Aura des geheimnisvollen und kostbaren zu erhalten, die das Einzelstück im Gegensatz zum ewig reproduzierbaren Film umgibt. Wir hoffen aber trotzdem gerade die Kurzfilme im nächsten Jahr zeigen zu können und beginnen dieser Reihe mit Langfilmen.

Buster's Bedroom
1990, 104 Minuten, 35 mm, Farbe, Ton
Regie und Drehbuch: Rebecca Horn
Kamera: Sven Nykvist
Darsteller: Geraldine Chaplin, Valentina Cortese, Taylor Mead, 
Amanda Ooms, Ari Snyder, Donald Sutherland, David Warrilow, 
Martin Wuttke

Hommage an Buster Keaton. Die Filmstudentin Micha gerät auf der 
Suche nach Spuren von Buster Keaton in das Nirwana-Haus, ein 
etwas surreales Sanatorium, in dem auch Keaton in den 30er 
Jahren gewohnt haben soll. Im Institut, dessen Bewohner in 
komplizierten Beziehungen zueinander stehen, begegnen ihr eine 
alternde Filmdiva, eine Ex-Schwimmerin im Rollstuhl und ein 
falscher Doktor, der im übrigen Schlangenfetischist ist, sie 
aber dann doch rettet. Mit Taylor Mead als Gärtner, der ständig 
versucht eine Leiche im Garten zu vergraben. 

La Ferdinanda: Sonate für eine Medici-Villa
1981, 85 Minuten, 35mm, Farbe, Ton
In Koproduktion mit dem WDR, Köln
Buch und Regie: Rebecca Horn
Kamera: Jiri Kadanka
Darsteller: Valentina Cortese, Javier Escriba, Gisela Hahn, Hans 
Peter Hallwachs, Michael Maisky
Eine Opernsängerin und ihre Freunde verbringen wie jedes Jahr 
die Sommermonate in der Villa Ferdinanda. Dieses Jahr wird aber 
während ihres Aufenthaltes die Villa von einer 
Hochzeitsgesellschaft angemietet. In raschen Schnittfolgen 
zwischen der Hochzeitstafel, den Gästen der Operndiva und den 
Dorfbewohnern in der Küche verdeutlicht sich eine soziale 
Geographie, die durch das Essen hervortritt. Untermalt von 
jeweils anderer Musik offenbart jede Gruppe eine 
sozio-kulturelle Position bei Tisch.

   

Füller:
Zitat oder Bildunterschrift
"Als wanderndes Fenster mit Blick auf die Welt der Körper stellt 
der Film der Künstlerin ein weiteres Instrument zur Wahrnehmung 
und Abtasten von Raum zur Verfügung. Insofern ist die 
Kameralinse für sie eine echte Verlängerung ihrer 
Körpermaschinen. Wie der menschliche Körper ist auch der Film 
ein Wahrnehmungsorgan. (Er) besitzt phänomenologische Kräfte, 
indem die Welt an der Nahtstelle von Auge und Kameralinse 
empfunden wird."
Giuliano Bruno 


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