FILMWINTER '96: Claudia Schillinger
The movies of Claudia Schillinger are about the woman, the
actress, the deceptions, the possible transformations of a
body and the observation of this transformation (Ruth
Wöbkemeyer).
The perspective is the one of a woman, who remembers herself,
who also thinks back of herself as a fantasizing person.
(Ulrike Zimmermann)
Fatale Femme 1985, 11:00 min. "Claudia Schillinger hat sich selber vor der Videokamera im Stil alter erotischer Fotographie inszeniert, die Einzelbilder dann abgefilmt. Ein eigentümlicher Effekt ergibt sich dadurch, daß das Standbild nicht hält, sondern in sich zittert, sich verzerrt und schließlich ruckartig weggleitet. Das grobkörnige Bild scheint auf eine sehr materiell greifbare Weise zu verfallen ... ein Diskurs über Maskerade ... " (Heide Schlüpmann). Claudia Schillinger has directed herself in front of a video camera in the style of old erotic photographies. The independent pictures were then filmed one by one. A curious effect is caused by a freeze frame that doesn`t hold still but shakes in itself, that becomes distorted and finally slips away jerkily. The coarse-grained picture seems to fade away in a very material tangible manner ... a discourse about masquerade... . (Heide Schlüpmann) Dreams of a Virgin 1986, 13:00 min. "Dreams of a Virgin" erzählt vom Wunsch polarisierte weibliche Rollenklischees zu verschmelzen, um dadurch eins zu werden. Durch Standbilder, Zeitlupenvideo und Doppelbelichtungen ergibt sich ein eigentümlich trennender Effekt: Berührung und Verschmelzung, die durch das Filmmaterial geschieht, zeigt die ersehnte Einheit als heterogene Mischung. Wie Wasser und Öl bleiben die Elemente getrennt. Das Geschlecht, das nicht eins ist, erlebt sich hier als solches erst im beweußten Akt des Spiegelns, in dem Rahmung und Fragmentierung als lustvolles Mittel angeeignet wird. "Dreams of a Virgin" is about the wish to melt together polarized female role clich‚s hereby becoming one. Through freeze frames, slow-motion videos and double-exposure, a curiously separating effect is resulting: touch and fusion caused by the film material show the longed for unity as a heterogeneous mixture. Like water and oil the elements stay separated. Das wahre Wesen einer Frau 1987, 12:00 min. Dem Film liegt als Motto ein Satz von Marlon Brando aus dem "Letzten Tango" zugrunde. "Ein Mann kann 100, 200 Jahre alt werden, er wird niemals das wahre Wesen einer Frau erkennen. Ich meine, ich bin imstande das Universum zu begreifen, aber außerstande die Wahrheit über dich herauszufinden." Die Wahrheit über mich ist die, daß ich gerne wie der junge Marlon Brando wäre. Leider wäre es dann ein bißchen schwierig, den richtigen Mann zu finden, davon erzählt mein Film. The film is based on a sentence of Marlon Brando in "The last tango". "A man can become a 100, 200 years old. He will never understand the real nature of a woman. I mean, I am able to understand the universe, but I am unable to find out the truth about you." The truth about me is that I would like to be like the young Marlon Brando. But then, unfortunately, it would be a little bit difficult to find the right man. That is what my film is all about. Between 1989, 10:00 min. Regie, Drehbuch, Schnitt: Claudia Schillinger; Kamera: Kerstin Scholz, Claudia Schillinger "Between" ist ein erster Versuch sexuelle Phantasien zu zeigen und ihnen eines spezifische filmische Form zu geben. Das Sexuelle ereignet sich hier zwischen Atmosphäre und Imagination, sowie zwischen weiblichen und männlichen Geschlechtshaltungen. "Between" is a first attempt to show sexual phantasies and give them a specific cinematic form. Sexuality happens here between atmosphere and imagination, as well as between female and male sexual attitudes. In No Sense 1992, 9:00 min. Regie, Drehbuch, Schnitt: Claudia Schillinger; Kamera: Reinhold Vorschneider, Kerstin Scholz; Musik: Dirk Schäfer Ein zehnjähriges Mädchen und ihr Vater / Kindheitserinnerungen / die Vergangenheit soll sich wie Perlen auf eine Schnur aufreihen. Das klingt nach der Traumtheorie von Sigmund Freud. Das wir erinnern imaginieren, unsere Erinnerung durch unsere Einstellung zu ihr formen, ist mir während der Arbeit an diesem Film klar geworden. Ich habe keinen Ursprung gefunden. Ich habe eine Geschichte gefunden, die nicht meine ist, die jedoch seltsamerweise eine identische Erlebnisqualität zeigt: Das Begehren des Mädchens dieser Geschichte hat die gleiche Qualität, wie mein Wunsch der Vergangenheit ein Geheimnis zu entlocken. Seither richte ich meinen Blick in erster Linie auf die Qualität des Wünschens. A ten year old girl and her daddy / childhood memories / the past should be stringed like pearls. That sounds like the dream theory of Sigmund Freud. That we recall imagine, that we form our attitude toward it, has become clear to me while working on this film. I haven`t found the origin. I found a story, which isn`t my one, but it has, peculiarly, an identical quality of experience: the desire of the girl in this story has the same quality, like my wish to elicit a secret from the past. Ever since then my awareness is turned to the quality of wishing. Hermes 1995, 25:00 min. Regie, Drehbuch, Schnitt: Claudia Schillinger; Kamera: Maria Petersen, Kerstin Scholz; Musik: Kelly Family; Ton: Kristian Petersen Experimentelller Dokumentarfilm zu meiner Begegnung mit einem pädophilen Mann. Das Gespräch mit ihm habe ich mit einem Schauspieler nachinszeniert, u.a. weil Hermes anonym bleiben wollte. "Der Film erzählt zwei Geschichten, die des Mannes Hermes, der von sich sagt, er liebe Jungen und die der Filmemacherin selber. Ihre Frage nach den Lüsten verbindet beide Geschichten, läßt sie einander Spiegel sein; die Lust des Erwachsenen am Kind, die Lust des Kindes und die Lust des Erwachsenen an dem Kind, das er einmal selber war." (Karin Mehrtens) An experimental documentary about my encounter with a pedophile man. I have directed this conversation again with an actor, among other things because Hermes wanted to stay anonymous. "This film tells two stories: one is about the man Hermes, who says about himself that he loves boys, and the other one is about filmmaking. Both stories are connected by questions of lust, they mirror each other. The adults lust about kids, the lust of the kid, and the lust of the adult about the kid he was." (Karin Mehrtens). Notes: Alle Filme sind auf 16 mm produziert. Die Regisseurin ist anwesend. Notes: All films are produced on 16 mm. The director will be present.