kopfwand FILMWINTER '96: Claudia Schillinger
Freitag, 5. Januar, 22.00 Uhr, Lupe 1


Der Umriß der Schauspielerin
Im Traum wie im Film laufen die Bilder über den Körper

"Die Filme Claudia Schillingers handeln von der Frau, der Schauspielerin, den Täuschungen, den Verwandlungsmöglichkeiten des Körpers und der Wahrnehmung dieser Wandlung. " (Ruth Wöbkemeyer).
"Die Perspektive ist die einer Frau, die sich an sich selbst erinnert, die auch an sich selbst als Phantasierende zurückdenkt." (Ulrike Zimmermann)

The movies of Claudia Schillinger are about the woman, the actress, the deceptions, the possible transformations of a body and the observation of this transformation (Ruth Wöbkemeyer).
The perspective is the one of a woman, who remembers herself, who also thinks back of herself as a fantasizing person. (Ulrike Zimmermann)

Fatale Femme
1985, 11:00 min.
"Claudia Schillinger hat sich selber vor der Videokamera im 
Stil alter erotischer Fotographie inszeniert, die Einzelbilder 
dann abgefilmt. Ein eigentümlicher Effekt ergibt sich dadurch, 
daß das Standbild nicht hält, sondern in sich zittert, sich 
verzerrt und schließlich ruckartig weggleitet. Das grobkörnige 
Bild scheint auf eine sehr materiell greifbare Weise zu 
verfallen ... ein Diskurs über Maskerade ... " (Heide 
Schlüpmann).

Claudia Schillinger has directed herself in front of a video 
camera in the style of old erotic photographies. The 
independent pictures were then filmed one by one. A curious 
effect is caused by a freeze frame that doesn`t hold still but 
shakes in itself, that becomes distorted and finally slips 
away jerkily. The coarse-grained picture seems to fade away in 
a very material tangible manner ... a discourse about 
masquerade... . (Heide Schlüpmann)

Dreams of a Virgin
1986, 13:00 min.
"Dreams of a Virgin" erzählt vom Wunsch polarisierte weibliche 
Rollenklischees zu verschmelzen, um dadurch eins zu werden. 
Durch Standbilder, Zeitlupenvideo und Doppelbelichtungen 
ergibt sich ein eigentümlich trennender Effekt: Berührung und 
Verschmelzung, die durch das Filmmaterial geschieht, zeigt die 
ersehnte Einheit als heterogene Mischung. Wie Wasser und Öl 
bleiben die Elemente getrennt. Das Geschlecht, das nicht eins 
ist, erlebt sich hier als solches erst im beweußten Akt des 
Spiegelns, in dem Rahmung und Fragmentierung als lustvolles 
Mittel angeeignet wird. 

"Dreams of a Virgin" is about the wish to melt together 
polarized female role clich‚s hereby becoming one. Through 
freeze frames, slow-motion videos and double-exposure, a 
curiously separating effect is resulting: touch and fusion 
caused by the film material show the longed for unity as a 
heterogeneous mixture. Like water and oil the elements stay 
separated.

Das wahre Wesen einer Frau
1987, 12:00 min.
Dem Film liegt als Motto ein Satz von Marlon Brando aus dem 
"Letzten Tango" zugrunde.
"Ein Mann kann 100, 200 Jahre alt werden, er wird niemals das 
wahre Wesen einer Frau erkennen. Ich meine, ich bin imstande 
das Universum zu begreifen, aber außerstande die Wahrheit über 
dich herauszufinden." Die Wahrheit über mich ist die, daß ich 
gerne wie der junge Marlon Brando wäre. Leider wäre es dann 
ein bißchen schwierig, den richtigen Mann zu finden, davon 
erzählt mein Film.

The film is based on a sentence of Marlon Brando in "The last 
tango".
"A man can become a 100, 200 years old. He will never 
understand the real nature of a woman. I mean, I am able to 
understand the universe, but I am unable to find out the truth 
about you." The truth about me is that I would like to be like 
the young Marlon Brando. But then, unfortunately, it would be 
a little bit difficult to find the right man. That is what my 
film is all about. 

Between
1989, 10:00 min.
Regie, Drehbuch, Schnitt: Claudia Schillinger; Kamera: Kerstin 
Scholz, Claudia Schillinger
"Between" ist ein erster Versuch sexuelle Phantasien zu zeigen 
und ihnen eines spezifische filmische Form zu geben. Das 
Sexuelle ereignet sich hier zwischen Atmosphäre und 
Imagination, sowie zwischen weiblichen und männlichen 
Geschlechtshaltungen.

"Between" is a first attempt to show sexual phantasies and 
give them a specific cinematic form. Sexuality happens here 
between atmosphere and imagination, as well as between female 
and male sexual attitudes.

In No Sense
1992, 9:00 min.
Regie, Drehbuch, Schnitt: Claudia Schillinger; Kamera: 
Reinhold Vorschneider, Kerstin Scholz; Musik: Dirk Schäfer
Ein zehnjähriges Mädchen und ihr Vater / Kindheitserinnerungen 
/ die Vergangenheit soll sich wie Perlen auf eine Schnur 
aufreihen. Das klingt nach der Traumtheorie von Sigmund Freud. 
Das wir erinnern imaginieren, unsere Erinnerung durch unsere 
Einstellung zu ihr formen, ist mir während der Arbeit an 
diesem Film klar geworden. Ich habe keinen Ursprung gefunden. 
Ich habe eine Geschichte gefunden, die nicht meine ist, die 
jedoch seltsamerweise eine identische Erlebnisqualität zeigt: 
Das Begehren des Mädchens dieser Geschichte hat die gleiche 
Qualität, wie mein Wunsch der Vergangenheit ein Geheimnis zu 
entlocken. Seither richte ich meinen Blick in erster Linie auf 
die Qualität des Wünschens.

A ten year old girl and her daddy / childhood memories / the 
past should be stringed like pearls. That sounds like the 
dream theory of Sigmund Freud. That we recall imagine, that we 
form our attitude toward it, has become clear to me while 
working on this film. I haven`t found the origin. I found a 
story, which isn`t my one, but it has, peculiarly, an 
identical quality of experience: the desire of the girl in 
this story has the same quality, like my wish to elicit a 
secret from the past. Ever since then my awareness is turned 
to the quality of wishing.

Hermes
1995, 25:00 min.
Regie, Drehbuch, Schnitt: Claudia Schillinger; Kamera: Maria 
Petersen, Kerstin Scholz; Musik: Kelly Family; Ton: Kristian 
Petersen
Experimentelller Dokumentarfilm zu meiner Begegnung mit einem 
pädophilen Mann. Das Gespräch mit ihm habe ich mit einem 
Schauspieler nachinszeniert, u.a. weil Hermes anonym bleiben 
wollte. "Der Film erzählt zwei Geschichten, die des Mannes 
Hermes, der von sich sagt, er liebe Jungen und die der 
Filmemacherin selber. Ihre Frage nach den Lüsten verbindet 
beide Geschichten, läßt sie einander Spiegel sein; die Lust 
des Erwachsenen am Kind, die Lust des Kindes und die Lust des 
Erwachsenen an dem Kind, das er einmal selber war."  (Karin 
Mehrtens)

An experimental documentary about my encounter with a 
pedophile man. I have directed this conversation again with an 
actor, among other things because Hermes wanted to stay 
anonymous. "This film tells two stories: one is about the man 
Hermes, who says about himself that he loves boys, and the 
other one is about filmmaking. Both stories are connected by 
questions of lust, they mirror each other. The adults lust 
about kids, the lust of the kid, and the lust of the adult 
about the kid he was." (Karin Mehrtens).

Notes: Alle Filme sind auf 16 mm produziert. Die Regisseurin 
ist anwesend.

Notes: All films are produced on 16 mm. The director will be 
present.


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