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Das Media-Space-Programm ist ein Pilotprojekt von Wand 5 für einen zukünftigen Media-Space in Stuttgart, der als kontinuierlich bespielbarer Medienraum Online- und Real Life-Aktivitäten verknüpft.

Das Programm
Das Media-Space-Programm untersucht die Relationen zwischen architektonischem und sozialem Raum, Ausstellungspraxis und Neuen Medien. Es stellt innovative Projekte vor, die versuchen, Online-Praxis in einem realräumlichen Kontext erlebbar zu machen. An den vier Konferenztagen kommen Experten aus den Bereichen Netzkultur, Architektur, Ausstellungsdesign, Bühnenbild, Musik, Messekonzeption und Informationstechnologie zu Wort.

15. November: Inszenierte und dramatisierte Medienarchitektur
Media-Space-Host: Milla & Partner GmbH
Am ersten Tag der Veranstaltung stehen inszenierte Architektur und Bühnenbilder sowie Messeprojekte im Vordergrund. Hier soll beleuchtet werden wie Architekten und Medienkonzepter das paradoxale Verhältnis von (Innen-) Architektur und (Online-) Medien fruchtbar machen. Aspekte wie Projektion und interaktive Raumerfahrung werden behandelt. An diesem Tag werden ebenfalls angewandte Fragestellungen thematisiert, die Bühnenarchitektur – z.B. audio-visuell medienbasierte Konzerte, Medientheater... – im Zusammenhang mit dem Cyberspace berühren. Aber auch grundsätzliche Fragen sollen angesprochen bzw. die Erweiterung des medialen Begriffs erreicht werden: So arbeitet einer der Referenten, Prof. Michael Simon, als Bühnenbildner von Peter Greenaway und William Forsythe im Spannungsfeld von klassischen und neuen Medien. Architektur wird hier als Mittel der Kommunikation begriffen. Sein Vortrag „Mediastage“ beschäftigt sich mit zwei exemplarischen Video-Raumkonzepten für die Bühne: Die Oper „Writing to Vermeer“ von Peter Greenaway und Louis Andriessen, aufgeführt in Amsterdam 1999, und die Oper „Die Blinden“ von Beat Furrer, aufgeführt in Aachen 2000.

16. November: Information Architecture – The shift of Architecture
Die traditionelle (gebaute) Architektur und ihre Öffnung in Richtung projizierter sowie medialer Räume wird am zweiten Veranstaltungstag diskutiert und präsentiert. In diesem Zusammenhang ist insbesondere das Phänomen zu konstatieren, dass Architekturbüros zunehmend zu Medienproduzenten werden. Das Verhältnis von baulich realisierter und ausschließlich visualisierter Architektur verschiebt sich zunehmend. Aber auch die Architektur selbst wird zum Medium. Die Frage nach der Funktionalität von Architektur stellt sich im Zusammenhang mit Netzwerken, Informationstechnologie und Telekommunikation neu. Das Brüsseler Büro für Architektur und Urbanismus [LAB]au arbeitet an der Schnittstelle zwischen Virtualität und baulich realisierten Projekten. Sie stellen mit sPACE ein VRML-Projekt vor, in dem sie im Internet Räume entwickeln, die auf ungewöhnliche Weise unserer intuitiven Raumwahrnehmung nahe kommen und diese gleichzeitig verflüssigen. In mehreren Schritten arbeiteten [LAB]au unterschiedliche Aspekte in diesen interaktiven Raum ein: Recombinant Realities, Differential Gravity, Navigable Music und Hypermedia. Weitere Präsentatoren sind u.a. Datenflug aus Berlin und das Wiener Büro propeller Z. Peter Cachola Schmal, Kurator des DAM Deutschen Architektur Museums, wird in seinem Vortrag „digital real, blobmeister“ über einen Wandel im Umgang mit internationalem Ausstellungstransfer sprechen. Seine Präsentation stellt die Schnittstelle zwischen Ausstellungskonzeption, Architektur und Digitalisierung bzw. Vernetzung dar.

17. November: Media Space as Art Space – das Museum als Medium
Host: Atelier Brückner
Der dritte „Media-Space“-Tag thematisiert die klassische Ausstellungspraxis, die sich zunehmend mit Onlineprojekten konfrontiert sieht. Wie reagieren Ausstellungshäuser auf die Entörtlichung von Netzkunst? Wie reagieren Ausstellungsmacher auf die endgültige Dematerialisierung der Künste, nachdem sie bereits im Bereich des Films und des Videos lange Zeit keine adäquate Ausstellungsform gefunden haben. Hier sollen bereits existierende Medienkunstzentren vorgestellt werden, um zu verdeutlichen, dass mittlerweile nahezu jede größere Stadt über dauerhaft bespielbare Medienkunst-Räume verfügt. Neben spezifischen Medienkunsträumen sollen aber auch Museen vorgestellt werden, die beispielhaft Medien in ihre Ausstellungskonzeption integriert haben – so z.B. das KIASMA Museum of Contemporary Art in Helsinki, dessen Medienkunstkurator Perttu Rastas beim Media-Space zu Gast ist. Aus Sicht des Künstlers wird Maurice Benayoun über Möglichkeiten und Probleme berichten, Medienkunstprojekte, z.B. Cave-Installationen, in Ausstellungshäusern und Medienmuseen wie dem ARS Electronica Center zu realisieren.

18. November: Medieninterventionen im Realraum und die Kunst der künstlichen Realität Medium
Host: projekttriangle
Am letzten Tag des Kongresses sollen Netzkunstprojekte präsentiert werden, die sich mit dem Wechselverhältnis zwischen Realraum und Onlineaktionen beschäftigen. Formen von Partzipation im öffentlichen Raum werden ebenso ausgelotet wie die Frage nach der adäquaten Präsentationsart von Internetprojekten – also von Projekten, die per se eine öffentliche Vorführungsform negieren. Die Omnipräsenz von Netzwerken im öffentlichen Raum, aber auch ihre oftmals fehlende Sichtbarkeit und das ambivalente Verhältnis von einem privaten Medium wie Internet und dem öffentlichen Raum haben zahlreiche Künstler dazu angeregt, diesen teilweise diametralen Fragestellungen auf den Grund zu gehen. So entwickelte die Gruppe „Institute for Applied Autonomy“ einen „Graffity Writer“ – ein Mobil, das nach dem Prinzip des Tintenstrahldruckers Slogans im öffentlichen Raum bzw. auf öffentlichen Boden platziert. Der „Graffity Writer“ ist ein teleoperativ steuerbarer Roboter, der eine mögliche Antwort einer technologischen Gegenkultur auf die zunehmende Technisierung von Überwachung darstellt. IAA stellt außerdem ein aktuelles Projekt vor, daß sich im Zusammenhang mit der Post-9/11-Situation mit der Sicherheitstechnikindustrie auseinandersetzt. IAA haben ein Open Source Software Package geschrieben, das eine Datenbank mit Überwachungskameras nutzt. User können mit der „redSEE“-Software die Überwachungsdichte ihres eigenen Wegs durch den Stadtraum – also von Ausgangspunkt A bis zum Endpunkt B – nachvollziehen. Am letzten Tag werden jedoch nicht nur interventionistische Projekte vorgestellt, die den Netz- und Realraum verbinden: Dr. Oliver Grau von der Humboldt Universität zu Berlin gibt einen Einblick in die Kulturgeschichte der Virtual Reality und weitere Künstler stellen Projekte vor, die die Möglichkeiten des Cyberspace ausloten und neue Raumdarstellungen kreieren, ohne die gängigen Formulierungen von Virtual Reality zu wiederholen.


Events & Filmprogramm
Die Vorträge und Präsentationen werden durch Musikevents, Aktionen und Filmprogramme ergänzt. Der aus Manchester stammende Klangforscher, DJ und Musiker Andrew Diey/Black Faction bespielt mit seinen elektronischen Klangräumen am 16. November den Ballroom des Filmhauses (Beginn 23 Uhr). Außerdem gibt es am Samstag, den 17. November um 20.30 Uhr eine Rolle mit herausragenden und aktuellen Architekturfilmen – zusammengestellt vom bekannten Festival „artimage – Biennale für Medien und Architektur“ aus Graz. Am selben Tag wird um 22.30 Uhr im Kinosaal des Filmhauses in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino und der Architektenkammer Baden-Württemberg der Film „Berlin Babylon“ gezeigt.

Exkursionen
An jedem Media-Space-Tag finden Exkursionen zu Firmen und Institutionen statt: Am ersten Tag (15. November) haben die Teilnehmer der Media-Space-Veranstaltung die Gelegenheit das Medienkonzeptionsbüro Milla & Partner zu besuchen. Am Freitag steht der Besuch des IAO der Fraunhofer Gesellschaft an, bei dem ein verteiltes Cave-Projekt vorgestellt wird. Außerdem besteht die Möglichkeit die Weissenhof-Siedlung zu besuchen, um mehr über die geplante virtuelle Weissenhof-Siedlung zu erfahren. Am Samstag lädt der Media-Space-Host Atelier Brückner zu einem Besuch in ihren Räumen ein. Das Gestaltungsbüro projekttriangle führt in Zusammenarbeit mit Wand 5 am Sonntag abend ihre Etage 01-Veranstaltung in den eigenen Räumlichkeiten durch, bei der seit mehr als einem Jahr kontinuierlich und transdisziplinär Personen, Firmen und Institutionen aus dem Bereich der Medienproduktion eingeladen werden.