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Neckarwestern aus Heidelberg

Sa, 23.01.  16:00h   Metropol 2

 

 

Das HAUS DES DOKUMENTARFILMS präsentiert

Neckarwestern aus Heidelberg

Einführung: Astrid Beyer

Mit Live-Vertonung!
Musik: Frank Amos, Oliver Prechtl und Eckhart Holzboog

Zwei Jahre lang reiten Cowboys und Indianer vor der Kulisse der Odenwälder Berge. Denn als Hermann Basler 1919 aus den USA nach Heidelberg zurückkehrt, bringt er neben seiner Begeisterung für den Western auch die Kenntnis amerikanischer Produktionsmethoden und die Idee eines Westernhelden mit. Der Two-Gun-Man „Bull-Arizona“ ist geboren und mit ihm beginnt bei der CHATEAU-KUNSTFILM-PRODUKTION eine neue Epoche.

 

Bereits 1912 wird auf dem Gelände der ehemaligen Schulbankfabrik das Filmatelier in Heidelberg-Schlierbach gebaut. Eine der ersten Glaskonstruktionen weltweit, ausgestattet mit den modernsten bühnentechnischen Einrichtungen der Zeit: Laufsteg, Senkbühne und moderne Lichttechnik. Nur das Atelier der DEUTSCHEN BIOSCOP-GESELLSCHAFT in Babelsberg ist größer.

Das Glashaus wechselt häufig den Besitzer, denn Heidelberg ist keine Filmmetropole und die Produktionen können mit künstlerisch anspruchvollen Filmen jener Jahre wie „Menschen im Rausch“ nicht mithalten.

 

Erst durch die Initiative der Familie Basler kommt neuer Schwung in die INTERNATIONALE FILM-INDUSTRIE GMBH. Das Konzept eines zeitgemäßen Genre-Kinos nach amerikanischem Muster mit Krimis, Western und Kunstfilmen wird entwickelt. Es entstehen Krimis um den Detektiv Ferry White und Western der Bull- Arizona-Serie. Hauptdarsteller ist Hermann Basler, sein Vater Adolf, ein Chemiker, führt Regie und Mutter Maria schreibt das Drehbuch für die erste Produktion „Bull Arizona – der Wüstenadler“(1919). In der Folge werden mehrere Western gedreht. Neben erfahrenen Filmleuten wie den Berlinern Franz Schmelter und Otto Trippel arbeiten auch lokale Newcomer, u.a. der Kameramann Ernst Vachenauer, der Regisseur Phil Jutzi oder der Schauspieler Conny Carstennsen. Phil Jutzi, der später mit den Filmen „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ und „Berlin, Alexanderplatz“ als Regisseur sein Können zeigt, führt Regie bei zwei weiteren Western: „Das Vermächtnis der Prärie“ (1921) und „Feuerteufel“ (1921).

 

Die Einführung der Filmzensur im Mai 1920 beschleunigt das Ende der Filmproduktion am Neckar. Einige bereits fertige Filme, darunter auch „Feuerteufel“, werden im Nachhinein verboten. Außerdem zeigt sich, dass für erfolgreiche Filme und Serien ein erheblicher Einsatz von Kapital und Stars notwendig sind. Hinzu kommt die zunehmende Konzentration der Filmproduktion in Berlin. Eine dezentrale Produktion, wie sie vor 1913 vorherrscht, wird zur Ausnahme. 1924 wird die Filmfabrik Heidelberg aufgelöst.


 

Bull Arizona – Der Wüstenadler

D 1919, 35 mm, S/W, 52:00 Min., stumm, mit Live-Vertonung
Regie: Phil Jutzi & Horst Krahé, DarstellerInnen: Hermann Basler, Sonya Bernini, Sepha Berny, Robert Moser, Maria Basler, Horst Krahé

 

Bull Arizona, ein zweiteiliger Western, wurde 1919 in Heidelberg produziert. Der erste Teil, von dem ein 52-minütiges Fragment erhalten ist, kam 1919 in die Kinos, Teil 2 „Das Vermächtnis der Prärie“ ein Jahr später.

 

Der Film stellt den Cowboy-Helden Bull Arizona in den Mittelpunkt. Unweit der amerikanisch-mexikanischen Grenze verübt er Banküberfälle und verliebt sich unsterblich in Mary, die mit einem Siedlertreck unterwegs ist. Der Treck wird von Black Cat, einem Ganoven nach Westen geführt. Auf der Suche nach Wasser für ihren durstigen Ehemann verirrt sich Mary in der Wüste. Halbtot rettet Bull Arizona sie. Als der Treck von Indianern überfallen wird, übernimmt Bull die Verteidigung unter der Bedingung, dass Mary ihn fortan begleiten wird.

 

Im Programmheft von 1919 wurde der Film wie folgt eingeführt: „Erschaudernd und erschüttert sehen wir in die Seelenabgründe tief hinab, in denen der Mensch zum Tier, zur reißenden Bestie wird, aber wir sehen auch wie derselbe Mensch durch den Lichtstrahl der Liebe erhellt zu einem Edelmensch im wahrsten Sinne des Wortes sich entwickelt“.

 
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