Wettbewerb MEDIEN IM RAUM
99 Beautiful
Tessa Knapp, Deutschland 2010
Videoinstallation

Der Titel der Arbeit ist inspiriert von den „99 Namen Allahs“, die von seinen unzählbaren Attributen auch als seine schönsten Namen bezeichnet werden und aus dem Koran als Eigenschaftsbeschreibungen übersetzt werden. Türkische Vornamen haben oftmals einen direkten Bezug zur Alltagssprache und zur Welt. Sie bedeuten beispielsweise Tagesanbruch, Erde und Regen, aber auch  Sehnsucht, Krieg und Frieden.
Die Videoinstallation „99 BEAUTIFUL“ zeigt in einer Portraitserie Träger solch „sprechender“ Namen aus Istanbul, die als Inszenierungsrahmen wie Allegorien in Theaterstücken auftreten. Dieser wird durch die freie Artikulationsform der Selbstpositionierung, der subjektiven Aneignung oder Distanznahme andererseits wieder gebrochen.  Die Protagonisten stellen einen persönlichen Bezug zur jeweiligen Bedeutung ihres Namens her und bieten dem Betrachter in ihren individuellen Erzählungen eine intime Begegnung an – „Ich bin Ümit – Hoffnung“ ist zugleich die allgemeine und universal gültige Verkörperung eines Gefühls wie auch die persönliche Vorstellung des im Video auftretenden Menschen.


Black Box
Herman Asselberghs, Belgien 2009
Image: Fairuz
Sound: Boris Debackere
Voice: Claude Wampler, An Auguste Orts Production
With the support of the Flanders Audiovisual Fund.
Co-produced by Contour Mechelen vzw, Belgium
Videoinstallation

Das Ereignis, das zweifellos den Beginn eines neuen Jahrhunderts im allgemeinen Bewusstsein prägte und neue Maßstäbe im Bereich der Massenmedien setzte, war der 11. September 2001. Asselberghs Film stellt die Frage danach, warum wir mit solch einem destruktiven und spektakulären Bild in das neue Jahrhundert aufbrechen sollten und schlägt im Gegenzug vor, einen erlösenderen und emanzipatorischeren Moment zu wählen, der zwar weniger spektakulär aber durchaus politischer ist: der 15.2.2003 – der Tag an dem die Welt gegen die Entscheidung der US-amerikanischen Regierung in den Irak einzumarschieren demonstrierte. Am Scheideweg zwischen Poesie und Politik, drängt uns Asselberghs Film die Vielzahl an Auswirkungsmöglichkeiten zu bedenken, die die Bilder in den Medien auf unsere Gesellschaft hat und uns vorzustellen, wie die Möglichkeiten einer alternativen Medienlandschaft aussehen könnten.


Ei
Roswitha von den Driesch, Deutschland 2008
Videoinstallation

Laut der „Bauentwurfslehre Neufert“ werden für eine kleinere Eierproduktion und die Behausung von 10 Hennen, ein Legenest mit Sitzstangen in einer Größe von 220 x 375 cm benötigt vorausgesetzt die Hühner entsprechen in ihrer Größe, der Norm von einer Höhe von 35 cm und einer Länge von 40 cm. Diese vorgegebenen Maße sind Ausgangspunkt der Videoanimation „Ei“. Der Raum, in dem die Handlung spielt ist die festgelegte Grundrissdarstellung eines Legenestes für Hennen, entnommen aus der „Bauentwurfslehre Neufert“. Sie bildet den Rahmen eines Tagesablaufes von 10 Hennen. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Produktion, das Ei was gelegt werden soll. Analog zur Grundrissdarstellung des Legenestes sind auch die Hennen, entsprechend der Normvorschriften, von oben im Grundriss dargestellt. Eine Bildanimation dieser Grundrissdarstellung zeigt die Bewegungsabläufe der Hennen. Einzig alleine eine Vertonung schafft den Raum. Zu hören sind die Eigengeräusche der Hennen, wie unter anderem scharren, picken, flattern hin- und herrücken. Die Perspektive des Betrachters ist von oben, observierend auf das Geschehen, ähnlich der Aufzeichnungen von Überwachungskameras, die zum Beispiel die Anzahl und räumlichen Positionen der Menschen in öffentlichen Gebäuden filmen und registrieren.


FACADES OF CRISIS: OUTSIDE/IN
Veronika Susanne Bökelmann, Anett Vietzke, Deutschland 2010
Videoinstallation

„Seit der Staat seine eigenen Spielregeln gebrochen hat, vertrauen sich die Menschen nicht mehr.”, beschreibt die Anwältin Marta Bodo (Buenos Aires) ihr Erleben der Argentinischen Wirtschaftskrise 2001.
Die Videoinstallation FACADES OF CRISIS: OUTSIDE/IN untersucht Konsistenz und Relevanz architektonischer Sicherheitsmaßnahmen in Buenos Aires. Seit der Wirtschaftskrise 2001 boomt das Geschäft mit der Fassadenvergitterung in der argentinischen Metropole. Damals musste der Staat nach einer Phase extremer Privatisierung und Markt-Deregulierung seinen Bankrott erklären. Das Land war nicht mehr in der Lage seine internationalen Schulden zurückzuzahlen. In der Konsequenz verloren tausende Menschen schutzlos über Nacht Ersparnisse, Perspektive und Identität. Diese Erfahrung von Ungewissheit und Unsicherheit schrieb sich tief in Biografien, Architektur und Alltagsleben der Stadt. Heute werden Eigentum und Besitz stärker geschützt als je zuvor: „Lo tuyo es tuyo – Was deins ist, bleibt deins“, sagt ein Plakat hinter einem Metallgitter. Metallene Vorhänge und Eisengitter verschließen Fenster, Türen, Kiosks, Geschäfte und sogar Werbeplakate.


Große Maschinen bringen kleine zur Welt
Alexander Glandien, Österreich 2009
Installation

„Große Maschinen bringen kleine zur Welt“ widmet sich der Frage, was passiert wenn man ein unbeachtetes, natürliches Alltagsphänomen zum Ausgangspunkt eines künstlichen Simulationsprozesses macht. Im Mittelpunkt steht eine ästhetische Transformation durch die technische Reproduktion eines banalen, geradezu unauffälligen Vorgangs. Ausgehend von der unperfekten und zufälligen Bewegung, die eine rollende Erbse auf einem Teller vollführt, ist ein eigenständiges System entstanden, dass diese Unvollkommenheit künstlich perfektioniert.
Die Natürlichkeit der Erbse und die Künstlichkeit der Maschine begegnen sich dabei in einem besonderen Verhältnis der gegenseitigen Abhängigkeit, denn es bleibt unklar: Wer in diesem Zusammenspiel wen steuert? Die Erbse und die Maschine reagieren unmittelbar aufeinander und erzeugen ein geschlossenes System, in welches auch die angrenzende, maschinelle Aufzucht eingebunden ist. Dabei handelt es sich um ein Bewässerungssystem, das durch die Versorgung der Stamm-Erbsenpflanze für stetigen Nachwuchs sorgt und gleichermaßen von ihr und ihrem Zustand abhängig ist.


Hit me
La belle Imira, Deutschland 2009
Interaktive Installation

Die Arbeit „Hit me“ der Installationskünstlerin La belle Imira lotet persönliche Grenzen aus. Die Grenzen körperlicher Belastbarkeit, aber auch psychischer. Wo verschwimmen die Grenzen zwischen spielerischem Spaß und realem Schmerz? Die, gewohnt äußerst, interaktive Installation (der Betrachter ist eingeladen einen Boxsack zu nutzen) sucht die Skrupel des Betrachters und führt sie ihm drastisch vor Augen. Auf der Suche nach Empathie für La belle Imiras virtuelles Alter Ego. Und man muss sich fragen: Wie weit will man gehen, wenn die Künstlerin auffordert „Hit me!“? (Text: Nilz Bokelberg)


Montag
M+M, Deutschland 2009
Schauspieler: Christoph Luser, Kathrin Anna Stahl, Hanna Schmidt
Videoinstallation

„Montag“ ist eine Zweikanal-Videoinstallation. Sie zeigt zwei exakt synchronisierte Versionen des gleichen ambivalenten Dialogs, einmal zwischen Vater und Tochter, das andere Mal zwischen Mann und Frau. Die Parallelszenen auf den Screens verwachsen zu einem virtuellen Gesamtbild und lassen ein atmosphärisches, fast musikalisches Netzwerk von Text und Motiv entstehen. In dem scheinbar alltäglichen Gespräch offenbaren sich unterschwellige Emotionen und Abgründe, die Ängste vor familiärer Gewalt und sexuellem Missbrauch anklingen lassen. Text und Inszenierung beziehen sich auf die Szene „Montag“ in Stanley Kubrick’s Film „The Shining“. Die „Produktion“ entspricht der einer in zwei Varianten gedrehten Spielfilmszene.
„Montag“ ist Teil einer Reihe an Synchronerzählungen mit zwei Projektionswänden, die jeweils einem Tag der Woche gewidmet sind: Montag, Dienstag, Mittwoch... Jeder Tag bezieht sich auf eine spezielle Spielfilmszene, die sich an dem titelgebenden Tag abspielt. Dabei offenbaren sich auf radikale Weise unterschiedliche menschliche Aspekte.


OOOO
Amélie Brisson-Darveau & Pavitra Wickramasinghe, Kanada 2009
Jonathan Villeneuve (technical and electronic consultation), Samuel St-Aubin (electronic consultation), Sofian Audry (programming), Josianne Viens (model), Perte de Signal, Canada Council for the Arts
Installation

OOOO ist eine Animationsinstallation die aus einer Serie von 84 Thaumatropen besteht. Ein Thaumatrop ist ein einfaches Animationsgerät, das vor der Zeit des Kinos erfunden wurde. Es besteht aus einer kleinen Scheibe mit Bildern auf beiden Seiten, die, sobald die Scheibe gedreht wird, verschmelzen und sich zu bewegen scheinen. Auf der Basis dieser Grundlagen haben wir solche Geräte mit kleinen elektronischen Motoren gebaut.
Die animierten Bilder zeigen ein Tanzspektakel. Jedes Thaumatrop enthält die Zeichnung einer einzelnen Tanzbewegung. Die kombinierten Geräte können einzeln betrachtet werden: als Choreographie eines Tänzers oder als einzelne Szene – einer Tanzrevue.
Das Schauspiel hat eine nonlineare Struktur, es gibt weder Ende noch Anfang. Die narrative Sequenz hängt darüberhinaus vom Gang des Betrachters um die transparente Wand ab. Der animierte Tanz wirkt im Ganzen anmutig, in einzelne Momente aufgebrochen hat er etwas Unbeholfenes. Der Betrachter kann damit die räumliche Erfahrung eines zeitlichen Vorgangs erleben.


Pli
Judith Röder, Deutschland 2009
Videoinstallation

Die Glas-Videoinstallation „Pli“ beschreibt den Grenzbereich der Transparenz, des Erscheinungshaften, den Übergang ins Immaterielle. Bewegung erstarrt, löst sich wieder in Bewegung auf in Hell und Dunkel, in Augenblicken subtiler Wahrnehmung. Die prekäre Balance aus Präsenz und Transzendenz, welches ein leises, lebendiges Geheimnis verspricht, wird in Form von Licht und Glas erfahrbar. Es stellt sich die Frage nach dem Inneren, dem Verborgenen.
Bewegung und Stillstand, Immaterialität und Wirklichkeit, das Ephemere und Starre, Licht und Glas treten in Koexistenz, fließen ineinander über.
Zeit und Raum sind, zugespitzt im Augenblick als eine Andeutung, Geste oder Spur zu erfahren. Es liegt nahe, darin Lebenszeichen, Bilder des Lebendigen zwischen Stillständen, das sich in dieser Allgemeinheit einer konkreten Darstellung eigentlich entzieht, zu erkennen.


Six Acts: An Experiment in Narrative Justice
Carlos Motta, Kolumbien 2010
Videoinstallation

Die Installation „Six Acts: An Experiment in Narrative Justice“ entstand mit dem Hintergrund der Präsidentschafts-Wahlkampagne in Kolumbien 2010 und basiert auf einer Reihe von performativen Aktionen auf öffentlichen Plätzen in Bogotá. Sechs Schauspieler mit verschiedenen sozialen und ethnischen Wurzeln verlesen Reden zum Frieden, die ursprünglich von sechs kolumbianischen liberalen und linken politischen Führern – alle wurden innerhalb der letzten 100 Jahre aufgrund ihrer Überzeugung umgebracht – gehalten worden sind. Diese performativen „Darstellungen“ rücken das Bedürfnis in den Mittelpunkt, die systematische Auslöschung von Stimmen die es gewagt hatten sich der herrschenden Mächten entgegen zu stellen, indem sie abweichende Meinungen äußerten und damit diejenigen namentlich anprangerten, die für die sich wiederholende Geschichte von politischer Korruption und Gewalt in Kolumbien verantwortlich sind. Diese Arbeit stützt sich auf die Idee der „narrativen Gerechtigkeit“, das bedeutet Gerechtigkeit aus der Perspektive einer ästhetischen Erfahrung statt eines normativen Konzepts, und liefert damit eine Übung für das kollektive Gedächtnisses um das transformative Potential zu unterstreichen.


Time for Airports
Eduard Menz, Kanada 2009
Videoinstallation

Es gibt eine Zeit, die sich endlos hinzieht, eine Chronologie die zögert, ein Moment im Jetzt, der ausharrt, Stunden, die niemals enden wollen, das Gefühl von Eingeschlossenheit, Momente der Leere und Bewusstlosigkeit, Tage ohne Datum, kurze Momente einer „individuellen Bestimmung”, ein Bombardement aus Durchsagen in fremden Sprachen, synchronisierte andauernde Bewegung – all dies in Übergangsbereichen die keine Geschichte kennen und doch tausende Geschichten in einem Moment festhalten.
Die Videoinstallation „Time for Airports“ ist ein minimalistischer Reisebericht über den Entwurf eines bestimmten Raums im Zeitablauf. Es ist eine sozio-kulturelle und filmische Inspektion über das Leben von Flughäfen, die die Funktion des 21. Jahrhunderts dieser einmaligen Umgebung beleuchtet, die Millionen von Menschen (be)nutzen, aber zu der sie niemals gehören. „Time for Airports“ stellt 2 Realitäten im Einklang vor, um einen Mikrokosmos aufzudecken, der die Beziehung zwischen Architektur und Zeit, Banalität und Komposition und Reise und Ort widerspiegelt.


Tischgeflüster
TheGreenEyl, Deutschland 2009
Interaktive Installation

„Tischgeflüster“ ist ein Ort der Gastfreundschaft, ein kommunikativer Raum zwischen Menschen und Kulturen. Der Besucher betritt einen Raum, in dessen Zentrum ein runder schwarzer Tisch steht. Freie Sitzplätze laden zum Verweilen ein. Der Tisch ist reich gedeckt mit Schalen, Tellern und Karaffen. Die Gefäße scheinen zunächst leer, aber durch kleine Öffnungen sind Geräusche aus dem Inneren zu hören. Das leise Klirren von Geschirr, das Einschenken von Wein und Wasser, das Klappern von Besteck und gedämpfte Stimmen. Auf der Tischoberfläche stehen Worte in hebräischen, arabischen, persischen und altchinesischen Lettern. Sie verweisen auf die verschieden Kulturen, die mit an dieser Tafel Platz genommen haben. Hebt man eines der Gefäße an, so fängt es an zu sprechen; etwa über die Symbolik von Speisen am jüdischen Sederabend. So werden die Gefäße über die Interaktion gefüllt mit reichhaltigen Geschichten zu Festen und Ritualen aus vier verschiedenen Kulturkreisen.
Über die Annäherung an die verschiedenen Orte, die durch die Schriftzeichen versinnbildlicht werden, ändern sich entsprechend die Inhalte der Geschichten, die diesen Ort beschreiben. Zudem vertiefen sich die Erzählungen über die Annäherung an anderen Schalen: Die objektiven Beschreibungen der Symbolik von Speisen wandeln sich zu einer zunehmend persönlichen Perspektive, aus der das Erleben der Rituale und Bräuche erfahren und ihnen Bedeutung zugemessen wird. So eröffnet sich nicht nur eine reichhaltige Geschichtenwelt hinter den schlichten Schalen, sondern es entsteht darüber hinaus ein Ort der Kommunikation – die Besucher werden selbst in eine symbolisches Ritual mit einbezogen, sie erleben durch und mit anderen die konkrete Situation der aufgeschlossenen Annäherung und Respektsbezeugung, die ein gemeinsames Mahl bedeuten kann.

 
Login Form





Passwort vergessen?
CLOSE...